Wir machen das so, weil wir das schon immer so machen

Kennst Du diesen Spruch auch schon lange auswendig?

Ist er Dir manchmal ein Dorn im Auge?

Denkst Du vielleicht sogar, dass das unglaublich dumm ist?

 

Ja, da bin ich ganz Deiner Meinung.

Für mich war und ist es einer der dümmsten Sprüche, die ich in meinem Leben gehört habe.

Nicht nur, dass er mein eigenes Denkvermögen infrage stellt, er behindert auch meine Entwicklung.

 

Wir machen das so, weil wir das schon immer so gemacht haben

 

Ganz klar! Es hat ja auch immer so funktioniert, über eine unglaublich lange Zeit.

Aber mittlerweile gibt es eine andere Technik, neuere Verfahren und vieles funktioniert viel leichter und mit wesentlich weniger Aufwand.

Das setzt allerdings Lernfähigkeit voraus. Das setzt auch Neugier und Abenteuerlust voraus.

 

Einfacher ist es natürlich eingefahrene Wege weiterzufahren. Dort kennst Du ja schon alle Schlaglöcher und Hürden.

 

Doch was wäre unsere Welt, wenn die Neandertaler es damals schon so gesehen hätten?

 

Wir machen das so, weil wir es schon immer so gemacht haben?

 

Dann wären wir heute noch im Neandertal und die ganze Entwicklung in der Zwischenzeit würde es nicht geben.

 

Vermutlich war das für irgendjemand damals schon ausgesprochen langweilig. Wahrscheinlich dachte er damals schon: „Warum soll ich etwas so machen, wenn ich eine Technik habe, mit der es leichter geht!“

Was wäre geschehen, wenn er damals schon Angst davor gehabt hätte, es auszuprobieren?

 

Sicherlich gibt es Techniken und Entwicklungen, da wünschte sich jeder, es hätte sie besser keiner erfunden. Doch vieles ist tatsächlich eine ungeheure Erleichterung und ein wahres Wunderwerk des Fortschritts.

 

Wenn es also schon jemand erfunden hat und es ausprobiert hat, warum sollten wir es dann nicht alle nutzen?

 

Was bedeutet eigentlich dieser Spruch wirklich:

Wir machen das so, weil wir es schon immer so gemacht haben?

 

Wenn Du das in unterschiedlichen Lebenssituationen hinterfragst, bekommst Du keine wirkliche Antwort. Meistens kommt dann so etwas wie: „Ist halt so!“

Deine Frage nach dem Warum kann keiner erklären. Du stehst da und fragst Dich, was das alles soll.

In Deinem Kopf rattert es und Du hast längst eine einfachere Lösung, unter Ausnutzung sämtlicher Möglichkeiten, gefunden. Doch von Deinem Gegenüber kommt nur vorsichtig: „Tun Sie das lieber nicht, das könnte schiefgehen.“

 

Und schon haben sie Dir auf Deine Frage eine sehr einleuchtende Erklärung geliefert.

Sie haben Angst es anders zu versuchen, weil es ja nicht klappen könnte und der Versuch bereits Konsequenzen hätte.

In manchen Lebensbereichen mag das ja durchaus zutreffen. Doch in alltagsüblichen Situationen ist das wohl eher nicht der Fall.

 

Angst vor Veränderungen?

Angst, die eigene Meinung nach außen zu vertreten, auch gegen Widerstände?

Angst, aufzufallen, hinzufallen und sich zu blamieren?

 

Das kommt Dir sehr bekannt vor, stimmt's?

 

Klar, es kostet Kraft und Mut diese Idee in die Welt zu tragen und entsprechende Argumente zu finden.

Menschen, die sich die Hände reiben, wenn Du fällst, gibt es ja unglaublich viele.

Das fängt vermutlich schon in Deiner Kindheit an. Wenn Du irgendwelche Fantasien hast, die Du verwirklichen willst.

Bereits in der Familie gibt es dann garantiert schon einen, der Dich warnt, vorsichtig zu sein. Er ist um Dich besorgt und möchte nicht, dass Du in irgendeiner Weise verletzt wirst.

Wenn das im Rahmen bleibt, hat es ja noch etwas Gutes.

Doch meistens haben diese Menschen nur selbst Angst, es auszuprobieren.

Später triffst Du wahrscheinlich noch andere, die nur darauf warten, dass Du Deine Ideen in die Realität umsetzt. Wenn es dann nicht klappt, sind sie gleich da und was kriegst Du dann zu hören: „Hättest Du es so gemacht, wie wir es schon immer gemacht haben, wäre das nicht passiert!“

Für manch einen ist nach einigen solcher Kommentare Ende der Fahnenstange und sie versuchen es erst gar nicht noch einmal.

Andere haben ein längeres Durchhaltevermögen und denken sich vielleicht: „Beim ersten Mal hat es nicht geklappt, beim zweiten Mal auch nicht... aber aufgeben werde ich deswegen nicht!“

 

Und schon haben wir weitere Erklärungen für diesen blockierenden Spruch.

 

Angst vor Versagen?

Angst vor Prestigeverlust?

Angst davor, ausgelacht zu werden?

 

Klar, auch das gehört zur Entwicklung.

Soll diese Angst Dich wirklich in Deiner Entwicklung blockieren?

Traust Du Dich nicht, weil andere sich auch nicht trauen?

Ist es einfacher mit der Masse mitzulaufen, damit Du nicht auffällst?

Es könnte ja irgendeinem nicht gefallen, dass Du glaubst, Du wärst etwas Besonderes?

 

Ja, genau!

Mach nur weiter so.

Dann brauchst Du keinen mehr, der Dir diesen Satz sagt.

Er steht Dir auf der Stirn geschrieben, wenn Du morgens in den Spiegel schaust.

 

Auf diese Weise hat nicht nur Deine Angst gewonnen, Du hast Dich auch selbst in die Defensive gedrängt.

Du hast Dir selbst Deine Abenteuerlust untergraben.

Deiner Fantasie und Kreativität hast Du die Freiheit genommen.

Du hast Dein Denkvermögen infrage gestellt und Deine Entwicklung blockiert.

 

Und jetzt machst Du es wie alle, die es schon immer so gemacht haben.

Willst Du das wirklich?

Macht es Dich wirklich glücklich?

Oder ist es nur einfacher?

 

© Cornelia G. Becker

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