Talente - Stärken und Schwächen?

Du kommst auf diese Welt mit vielen kleinen oder großen Talenten.

Zu diesem Zeitpunkt weißt Du noch nicht, was wirklich in Dir steckt. Zumindest kannst Du es in Deinen ersten Lebensjahren nicht genau in Worte fassen.

Deine Talente zeigen sich im Laufe Deiner Kindheit in ganz unterschiedlicher Art und Weise.

Manche Kinder malen kleinste Kringel und erkennen darin etwas ganz besonderes. Andere nehmen vielleicht ihre Stifte und malen mit allen gleichzeitig einen riesigen Kreis. Wer später der bessere Maler wird, hängt sicherlich nicht allein davon ab.

Andere können bevor sie zur Schule kommen bereits rechnen oder lesen oder schreiben. Wer von ihnen später mal Mathematiker, Bibliothekar oder Journalist wird, kann zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner sagen.

 

Eltern, die solche Fähigkeiten erkennen und fördern sind sicherlich etwas Besonderes.

Doch was geschieht mit Deinem Leben, wenn Deine Eltern Deine Talente nicht sehen können?

Was wird aus Deinem Leben, wenn „Nicht-geschimpft-werden“ das Beste ist, was Du jemals erreichen kannst?

Später im Berufsleben lernst Du dann, dass alles gut ist, wenn der Kunde sich nicht beschwert. Du lernst auch, dass alles in Ordnung ist, wenn es keine Kritik gibt.

 

Was wäre wohl aus Deinem Berufsleben geworden, wenn Dich mal jemand für hervorragende Leistungen auch entsprechend gelobt hätte?

 

Kommen Dir solche Situationen vielleicht bekannt vor:

Du bist beruflich wieder einmal sehr im Stress. Privat gibt es einige Probleme und Du hast das Gefühl, nichts läuft richtig. Als dann eine Arbeit nicht so abgeschlossen werden kann, wie Du es von Dir erwartest, geht es Dir schlecht. Du fühlst Dich unsicher und denkst: „Oob das wohl alles gut geht.“

Dein Chef ist dann prompt nicht zufrieden und ist erst einmal davon überzeugt, dass der Fehler bei Dir liegt.

An einem solchen Tag gehst Du vorsichtshalber in eine Art Duck-Dich-gleich-kommt-was-geflogen-Stellung. Und es fliegt auch tatsächlich etwas.
Wütend steht Dein Chef vor Dir. Du hörst ihm zu, fühlst Dich schuldig und wirst immer kleiner.

Nach einer Weile fragst Du Dich: „Warum darf er mich eigentlich so anschreien? Loben kann er mich doch auch nicht für all die Zusatzstunden?“

All Deine Bemühungen zu einer Lösung zu kommen, verlaufen erst einmal im Sand.

Am nächsten Morgen hast Du schon Magenschmerzen, wenn Du ans Büro denkst. Du fühlst Dich völlig verunsichert und glaubst, dass Du niemals etwas überhaupt richtig gemacht hast.

Ein weiterer Tag vergeht mit Fehlersuche und Nachverfolgung der Arbeitsschritte.

Am Abend stellt sich dann heraus, dass Dein Chef Daten falsch ins Programm eingelesen hatte und Deine Arbeit völlig einwandfrei ist.

Wie das im Berufsleben dann oft so ist, wartest Du unter Umständen vergeblich auf eine kleine Entschuldigung.

 

Es gibt sicherlich viele Menschen, denen es so oder ähnlich schon einmal ergangen ist.

 

Was wäre nun gewesen, wenn Du als Kind schon gelernt hättest, dass Deine Fähigkeiten ein wundervolles Geschenk sind und Du auf Deine Talente wirklich stolz sein kannst?

Wie hättest Du reagiert, wenn Du als Kind von Deinen Eltern, Lehrern und anderen viel öfter gehört hättest, dass Du etwas toll gemacht hast?

Was wäre mit Deinem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein in der beschriebenen Situation geschehen?

Hättest Du eventuell sogar sachlich und bestimmt darauf hingewiesen, dass es sich nur um einen kleinen Fehler in den Arbeitsschritten handeln kann?

 

Warum fällt es so vielen Menschen schwer, anderen Anerkennung für ihre Leistungen zu geben?

Denken sie vielleicht, wenn sie andere loben, machen sie sich selbst klein?

Aber mit etwas Anerkennung und Stärkung des Selbstvertrauens macht doch eigentlich jede Arbeit viel mehr Spaß. Der Mitarbeiter ist motivierter und identifiziert sich positiver mit seinem Job. Vermutlich hat er auch viel mehr Ideen, wie sich die Aufgabe effizient umsetzen lässt.

 

Wir alle suchen nach dieser Anerkennung.

Wir alle brauchen unsere Umwelt als Resonanz.

Wie sollen wir wissen, wo wir wirklich stehen, wenn uns das keiner ehrlich sagen will?

 

Es gibt jetzt sicher einige, die hier in eine Abwehrhaltung gehen und heftig widersprechen wollen. Menschen, die meinen, dass man diese Anerkennung in sich selbst finden muss. Wenn man das nicht hat, dann nützen andere auch nichts.

 

Doch wie lernen wir Anerkennung für uns selbst?

Woher weiß ich, was ich kann, wenn ich bei meinen ersten kleinen Malereien schon ausgelacht werde? Woher weiß der andere, ob ich ein großer Maler werden kann?

 

Wir alle versuchen herauszufinden, wer wir sind und wo unsere Aufgabe im Leben wirklich ist.

Es ist ein langer Weg, all das allein in sich selbst zu finden.

 

Vielleicht sollten wir erst einmal herausfinden, wie prägend unsere Kindheit dabei wirklich war.

Denn wenn ich als Kind nicht lernen konnte, dass ich besondere Talente habe, wird es mir später vermutlich sehr schwerfallen, anderen ihre anerkennenden Worte auch zu glauben.

 

Dann geht es Dir vielleicht wie in diesem Gedicht:

 

Ich hab vergessen, wer ich bin

 

Ich bin, ich hab vergessen, wer ich bin.

Ich suche nach meinem Lebenssinn.

Welche Aufgaben muss ich noch erfüllen?

Welche Sehnsucht muss ich noch stillen?

 

Ich bin, ich hab vergessen, wer ich bin.

Manchmal weiß ich nicht, was ich will.

Welche Situationen muss ich noch meistern?

Was wird mich im Leben wirklich begeistern?

 

Ich bin, ich hab vergessen, wer ich bin.

Ich suche nach etwas, will irgendwo hin.

Wo sind mein Weg und mein Lebenssinn?

Wann werd ich wissen, wer ich wirklich bin?

 

Wer lächelt mir am Morgen in mein Gesicht?

Wer gibt mir die Kraft und ist mein Licht?

Hab ich wirklich vergessen, wer ich bin?

Oder stell ich zu viele Fragen nach dem Sinn?

 

© Cornelia G. Becker

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