Du bist immer so „negativ“

Wie oft hast Du das in Deinem Leben schon gehört?

Wie oft haben andere Menschen gedacht, dass Du die falsche Einstellung zu Deinem Leben hast und einfach nicht glücklich sein willst?

Wie oft war „der kleine Mann in Deinem Ohr“ wie ein kleiner Schutzengel, der Dich einfach nur auf etwas aufmerksam machen wollte?

 

Für andere sah dass dann ganz anders aus.

Sie meinten vielleicht:

„Kein Wunder, wenn Du so denkst, dass das dann auch genauso geschieht. Du ziehst es ja förmlich an!“


Wenn es so wäre, hätten viele Therapeuten sicherlich weniger Arbeit und auch weniger Spaß am Therapieren. Denn dann wäre es für unseren Verstand und für uns völlig klar und überaus logisch:

„Wir sind einfach an allem selbst schuld!“

 

Ich glaube allerdings nicht, dass das alles so einfach ist.

 

Wenn ich so darüber nachdenke, wie oft ich solche Sätze in meinem Leben schon gehört habe. Ich habe wirklich immer geglaubt, ich bin an allem schuld. Irgendwie ziehe ich einfach alles Schlimme an.

 

Vor Kurzem ist mir ein Buch in die Hände gefallen. Dort gab es eine sehr interessante Interpretation unseres Verstandes. Diese Worte haben meine persönliche Weltanschauung ins Wanken gebracht. Sie haben meine Sichtweise verrückt und über den Haufen geworfen.

 

Es wurde beschrieben, dass unser Verstand wie ein Computer arbeitet und in seinem „Datenbestand“ als erstes nach negativen Erlebnissen und Ereignissen sucht. Er will damit verhindert, dass uns noch einmal jemand wehtut oder wir verletzt werden. Eigentlich versucht er uns damit einfach nur zu schützen.

Diese Schutzfunktionen sind es, die uns nach außen möglicherweise als Persönlichkeit mit einer negativen Grundeinstellung erscheinen lassen.

Vielleicht haben diese Menschen aber nur sehr viele Informationen über Verletzungen, Schmerzen und Trauer.

 

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist der eigene „Selbstschutz“ bei mir wohl ziemlich ausgeprägt.

Mein Verstand ist in dieser Hinsicht überaus aktiv und hat scheinbar unglaublich viel negatives Datenmaterial aus der Vergangenheit angesammelt.

Zwangsläufig könnte ich ihn jetzt gleich fragen, woher er all diese Informationen eigentlich hat. An so viele negative Dinge kann ich mich nämlich gar nicht mehr erinnern.

 

Dies wirft für mich eine ganz andere Frage auf.

Ich kenne einige Menschen, die daran glauben, dass Seelen immer und immer wieder in unterschiedlicher Gestalt auf die Erde kommen.

Es könnte ja auch so sein, dass mein Verstand Informationen hat und hervorholt, die mit meinem jetzigen Leben nicht das Geringste zu tun haben.

Was wäre, wenn der Verstand auf winzigste Informationen aus frühester Vergangenheit unseres Menschendaseins zurückgreifen kann?

 

Zum Beispiel:

„Feuer ist heiß und macht warm. Das ist gut. Falsch angewendet kann es aber unglaublich wehtun.“

Bei der allerersten Begegnung mit Feuer wusste der Verstand davon noch nichts. Also konnte er den Mensch auch nicht davor schützen.

Heute wissen alle, dass Feuer wärmen und zerstören kann, nützlich und schmerzhaft ist.

 

Wenn ich nun davon ausgehe, dass ich „Herr in meinem eigenen Haus“ bin, dann bin ich auch Herr über meinen Verstand.

Dann liegt meine Verantwortung darin, die von ihm erhaltenen Informationen zu hinterfragen und anschließend eine Entscheidung darüber zu treffen, wie ich damit umgehen will.

Es könnte ja schließlich möglich sein, dass meine Verhaltensweise und die Reaktion auf das Erlebte eben wegen dieser Informationen völlig überzogen sind und mit dem momentanen Ereignis nicht all zuviel zu tun haben. Vielmehr könnten sie aus tiefster Vergangenheit und durch früheste Erfahrungen begründet sein.

Ich könnte also rein theoretisch entscheiden, ob ich so reagieren will oder nicht.

 

Theoretisch!

Praktisch funktioniert das leider viel zu oft nicht.

Jetzt bin ich wirklich gespannt, wie sich diese neue Sichtweise auf mein weiteres Leben auswirken wird.

 

© Cornelia G. Becker

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