Alles eine Frage der Sichtweise

Heute morgen bist Du aufgewacht,
schlecht geschlafen die ganze Nacht.
Im Spiegel siehst Du Dein Gesicht:
„Wer ist das nur, die kennst Du nicht!“

Der Weg zum Clo scheint ziemlich weit.
Papier ist wieder mal nicht griffbereit.
Du bist begeistert von diesem Tag
und fragst Dich, wie er enden mag.

Vor dem Duschen stellst Du Kaffee an,
damit man ihn auch gleich trinken kann.
Doch funktioniert es nicht wie Du gedacht,
hast gestern Abend etwas falsch gemacht?

Nein, Du bist es diesmal nicht gewesen.
Die Kaffeemaschine, dieses seltsame Wesen,
bringt Tröpfchen für Tröpfchen Qualität.
Bis die fertig ist, ist es für Dich zu spät.

Du gibst Dir Mühe mit Deinem Gesicht,
doch so richtig klappen will das nicht.
Die Ringe unter den Augen sind zu sehen.
Du solltest besser früher schlafen gehen!

Beim Essen vorbereiten für den Arbeitstag
ist die Butter wieder schrecklich hart,
zerbröselt beim Schmieren das ganze Brot
und innerlich Sturm und Gewitter tobt.

Das ist ein Tag, den keiner wirklich mag.
Du bist noch hoffnungsvoll und unverzagt.
Auf dem Weg zur Arbeit, ach Du Schreck!
Auf der Bluse ist ein dicker Kaffeefleck.

Das ist Shit für die heutige Präsentation.
Du denkst bei Dir: „Wer merkt das schon?“
Ausgerechnet Dein Chef nun zu Dir spricht:
„Frau Unverzagt, das geht so wirklich nicht!“

So rennst Du hin zum Shopping-Center,
nimmst ein Kleid von einem Ständer,
und beim Anprobieren wird Dir klar:
„Viel zu teuer, dass ist doch nicht wahr.“

Die Zeit, die rennt, der Termin ist nah.
Deine Vorbereitungen sind in Gefahr.
Ausgerechnet heute ist die Sekretärin krank.
Wer geht Dir jetzt bloß noch zur Hand?

Heute Morgen hast Du es schon gewusst
und nun kommt's wie es kommen muss.
Die Präsentation wird dann ein Flop.
Dabei warst Du sicher, Du bist Top.

Frustriert gehst Du spät abends heim.
Du fühlst Dich traurig und ganz allein.
Ein Zettel liegt auf dem Küchentisch,
darauf steht einfach und sehr schlicht:

„Will auf die Suche nach mir selber gehn,
Du konntest mich nie wirklich verstehn.
Tschüß, mach's gut und bleib gesund,
füttere bitte ab und zu unsern Hund!“

Tränen stehen jetzt in Deinem Gesicht.
Was heut geschah, das glaubst Du nicht.
Ein Bad soll die Entspannung bringen
und laute Rockmusik im Radio klingen.

Ohne Kleider stehst Du am Wannenrand
und vorsichtig fühlst Du mit Deiner Hand.
Du hast es geahnt, der Tag ist Schei...
das Wasser ist eiskalt und gar nicht heiß.

Verzweifelt denkst Du: „Geh besser ins Bett!
Ein großer Brandy wär' jetzt wirklich nett.“
Doch im Barfach sind nicht mal Gläser drin,
irgendwie macht Leben grad keinen Sinn.

Und die Moral von dieser Geschicht:
„Verzweifle an so einem Tag besser nicht.
Alles eine Frage der eigenen Sichtweise,
auch wenn es aussieht als wär' es Schei...“

© Cornelia G. Becker

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